Das Europäische Institut für Tagungswirtschaft (EITW) nimmt für das „Meeting- & EventBarometer Deutschland“ (MeBa) jährlich den Veranstaltungsmarkt in Deutschland unter die Lupe, dafür werden Anbieter aus ganz Deutschland und Veranstalter aus Deutschland, Europa sowie weltweit online befragt (Bezugsjahr der Daten für die aktuellste Auswertung: 2025). Die Studie bezieht sich auf ganz Deutschland und enthält u.a. Informationen zu bisherigen sowie aktuellen Entwicklungen im Kongress- und Eventbereich, aus denen teils Prognosen fürs laufende Jahr 2026 abgeleitet werden.
Meeting- & EventBarometer Deutschland 2025/2026
Das Meeting- & Eventbarometer Deutschland ist eine Studie, die den Veranstaltungsmarkt in Deutschland untersucht. Hier finden Sie eine Zusammenfassung zentraler Ergebnisse mit Schwerpunkt auf den Bereichen Entwicklung der Nachfrage, Umsätze und Budgets, Auswahlkriterien bei der Destinations- und Locationauswahl sowie Buchungsverhalten.
Entwicklung der Nachfrage
Für 2025 lässt sich insgesamt feststellen, dass sowohl die Zahl der Onsite-Veranstaltungen mit mindestens 20 Teilnehmenden (2,02 Millionen) als auch die Veranstaltungsdauer (1,7 Tage) im Vergleich zum Vorjahr etwa konstant blieb, während die Gesamtzahl der Teilnehmenden leicht wuchs (+4,6 %). Dennoch findet nach wie vor der größte Anteil der Seminare, Tagungen und Kongresse (insgesamt 71,5%) mit maximal 50 (52,8%) oder maximal 100 Teilnehmenden (18,7%) statt.
Betrachtet man die Entwicklung der Veranstaltungsdauer seit 2022, lässt sich insgesamt ein leichter Zuwachs erkennen. Zudem fällt auf, dass Veranstaltungen in Tagungshotels mit 2,1 Tagen im Schnitt am längsten dauern, während in Veranstaltungszentren – zu denen die Studie Kongresszentren, Sport- und Mehrzweckhallen und weitere reine Veranstaltungslocations ohne Übernachtungsmöglichkeiten zählt – mit durchschnittlich 1,4 Tagen die kürzesten Veranstaltungen stattfinden.
Zu den wichtigsten Veranstaltergruppen gehören Unternehmen (52,5%) und Verbände (16,3%), gefolgt von Eigenveranstaltungen (10,2%), öffentlichen Institutionen (9,1%) und Wissenschaft (6,1%).
Umsätze und Budgets
Neben der insgesamt positiven Entwicklung bei der Zahl an Veranstaltungen und Teilnehmenden sowie der leicht gestiegenen Veranstaltungsdauer zeigt die Studie auch eine positive Umsatzentwicklung: laut MeBa stieg insgesamt auf Anbieterseite der Umsatz im Vergleich zu 2024 um durchschnittlich 6,9% an.
Dieser Trend scheint sich 2026 weiter fortzusetzen: basierend auf den Umsätzen aus 2025 erwarten 72% der Anbieter für das Jahr 2026 eine gleichbleibende (37%) bis positive (35%) Umsatzentwicklung, gleichzeitig schätzen insgesamt 62% von ihnen die Buchungssituation (Buchungen und Anfragen) für 2026 als gut (48%) bis sehr gut (13%) ein.
Die positive Entwicklung wird auch auf Veranstalterseite sichtbar: für das Jahr 2025 verzeichneten insgesamt 91% der Veranstalter gleichbleibende (42%) oder zunehmende (49%) Budgets, der Zuwachs lag durchschnittlich bei 5,8%. Auch hier schätzen die befragten Anbieter den Trend positiv ein, für 2026 erwarten 41% ein gleichbleibendes und 51% ein wachsendes Budget. Die Buchungssituation für 2026 schätzen Veranstalter insgesamt sogar positiver ein als die Anbieterseite, insgesamt 87% gehen von einer guten (54%) oder sehr guten (33%) Prognose aus.
Auswahlkriterien bei der Wahl einer Destination
Neben der Entwicklung des Marktes befasst sich die Studie unter anderem auch mit der Frage, welche Auswahlkriterien für Veranstalter eine Rolle spielen – vorausgesetzt, Standortfaktoren wie Erreichbarkeit, Klima, Kapazität oder Preis wären gleich. Sowohl Veranstalter aus Deutschland, die die mit 88,3% die wichtigste Gruppe bilden, als auch Veranstalter aus Europa sowie dem Rest der Welt bewerten das Angebot vor Ort (Gastronomie, Kultur, Beherbergung etc.) als besonders wichtig bei der Wahl einer Destination. Genauso wichtig ist für Veranstalter aus Europa sowie dem Rest der Welt das Kriterium Politische Sicherheit & Stabilität, das auch bei deutschen Veranstaltern Platz 2 belegt.
Neben diesen beiden Spitzenreitern sind das Image einer Destination, Branchenkompetenz am Standort weitere wichtige Kriterien. Veranstalter aus Europa legen zudem Wert auf Nachhaltigkeitsstrategien der Destination, während Veranstalter aus dem Rest der Welt Wert legen auf die Unterstützung durch ein Convention Bureau.
Branchenkompetenz ist dabei mehr als ein reines Auswahlkriterium, Veranstalter binden diese auch gezielt in ihre Veranstaltungen ein. Die Einbindung erfolgt besonders häufig (64%) über die Initiierung einer Kooperation mit lokalen Forschungseinrichtungen oder Hochschulen, aber auch thematische Exkursionen im Veranstaltungsprogramm (53%) sowie regionale Sponsoring- oder Kooperationspartner (47%) sind beliebte Einbindungsmöglichkeiten.
Auswahlkriterien bei der Wahl einer Location
Auch bei Veranstaltungslocations überzeugt Veranstalter besonders das Angebot vor Ort. Bei allen Veranstaltern können Anbieter mit Atmosphäre & Design der Veranstaltungsstätte punkten, dicht gefolgt von flexiblen Raumkonzepten. Als drittwichtigstes Auswahlkriterium nennen Veranstalter Barrierefreiheit der Location, Veranstalter aus dem (europäischen) Ausland achten darüber hinaus auch auf Innovative Lösungen für die Organisation von hybriden Veranstaltern und Nachhaltigkeitsstandards von Anbietern.
Unabhängig von der Herkunft der Veranstalter gehört Nachhaltigkeit inzwischen zu den Standards, die sich auf die Attraktivität der Anbieter auswirken und Buchungsentscheidungen maßgeblich beeinflussen können: Insgesamt 76% aller befragten Veranstalter gaben an, dass sie Locations bevorzugen, die über einen nachhaltigen Standard verfügen. Zu den beliebtesten Nachhaltigkeitsmanagementsystemen bei Veranstaltern zählen in der Erhebung ISO20120 (31%), ISO14001 (27%) und Certified Green Hotel / Certified Event Locations (27%).
Recherche- und Buchungsverhalten von Veranstaltern
Das Meeting- & Eventbarometer untersuchte neben Auswahlkriterien auch das Buchungsverhalten von Veranstaltern. Hier fällt auf, dass insgesamt fast drei Viertel der Veranstaltungskunden Locations mehrfach buchen. Die befragten Anbieter gaben an, dass 31% ihrer Kunden Wiederkehrer (1 bis 3 Beauftragungen zuvor) und 40% Stammkunden (ab 4 Beauftragungen zuvor) sind. Das unterstreicht die Bedeutung von Qualitätsmanagement und Kundenbetreuung, da Veranstalter gerne bereit sind einer Veranstaltungslocation treu zu bleiben.
Auf der Suche nach Informationen zu Destinationen und Veranstaltungsstätten nutzen Veranstalter am häufigsten Anbieterwebseiten (77%), gefolgt von Buchungs-/Rechercheplattformen (57%) wie Cvent, eventinc oder fiylo und Social Media-Plattformen (50%). Der klassische Webauftritt ist demnach weiterhin relevant, um von potenziellen Kunden wahrgenommen zu werden. Darüber hinaus lohnt es sich für Anbieter, sich auch auf einschlägigen Plattformen zu engagieren.
Zusammenfassung der Ergebnisse
Insgesamt lässt sich aus den Daten der MeBa-Studie zur Entwicklung der Nachfrage, der Umsätze und Budgets ableiten, dass der Veranstaltungsmarkt stabil bleibt und in einigen Teilbereichen sogar ein leichtes Wachstum zeigt: Veranstaltungen dauern tendenziell zunehmend länger und ziehen gleichzeitig mehr Teilnehmende an, während das Veranstalterbudget insgesamt wächst. Für Veranstaltungslocations bedeutet das, dass die Umsatzentwicklung sowohl für 2025 als auch 2026 positiv ausfällt.
Darüber hinaus zeigt sich, dass die Attraktivität von Destinationen und Locations stark vom Leistungsangebot abhängt – sowohl gastronomisches und kulturelles Angebot als auch ortsansässige Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die Veranstalter gerne über Kooperationen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit gezielt in Veranstaltungen einbinden, können die Nachfrage positiv beeinflussen. Zudem können Anbieter die Attraktivität ihrer Location steigern, indem sie ansprechende Räume und flexible Raumkonzepte anbieten und Nachhaltigkeitsstandards umsetzen. Die Investition lohnt sich, da zufriedene Kunden bereitwillig zurückkehren und zu Stammkunden werden können.
Es ist davon auszugehen, dass auch sich diese positiven Entwicklungen und Trends insgesamt auch auf Erlangen übertragen lassen. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass standortspezifische Faktoren wie beispielsweise Kapazitäten und Art der Veranstaltungsstätten oder starke Akteure wie die FAU auf Veranstalterseite in einzelnen Bereichen zu abweichenden Ergebnissen führen. Deshalb folgt im Herbst eine zweite Auswertung mit regionalem Schwerpunkt, bei der Erlangen im Vergleich zu Gesamtdeutschland im Fokus steht.















