FAU-Forschung made in Erlangen - Im Gespräch mit Prof. Dr. Andrea Bréard

Meldung vom 21. Oktober 2026 (09:00 Uhr)

Professorin Dr. Andrea Bréard studierte Mathematik und Informatik an der TU München sowie Wissenschaftsgeschichte an der Fudan Universität Shanghai, für ihre Promotion befasste sie sich mit der Geschichte der chinesischen Mathematik. 2021 kam Andrea Bréard schließlich als Humboldt-Professorin an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), seit April 2024 ist sie zudem Vizepräsidentin der FAU.

Bevor sie ihren Weg nach Erlangen fand, arbeitete Bréard u.a. in New York, Paris, Peking und vielen weiteren Städten. Ihre Forschung wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, denn als Professorin für Sinologie mit dem Schwerpunk Geistes- und Kulturgeschichte Chinas untersucht sie u.a., wie sich Statistiken und Krisen in Autokratien wechselseitig beeinflussen. Dabei verbindet sie Sinologie und Mathematik auf einzigartige Weise.

Andrea Bréards Forschung wurde nun mit dem renommierten ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats ausgezeichnet, der mit 2,5 Millionen Euro dotiert ist. Diese Förderung bringt die Arbeit der ambitionierten Professorin, die heute als eine Pionierin auf ihrem Gebiet gilt und als Spitzenforscherin eine Bereicherung für die FAU darstellt, weiter voran.

1. Warum haben Sie Erlangen oder FAU als Forschungsstandort gewählt?
Ich kam mit einer Alexander von Humboldt-Professur, dem höchstdotierten internationalen Forschungspreis Deutschlands, aus Paris nach Erlangen. Das war keine leichte Entscheidung, aber der Wechsel ermöglichte mir, von der Mathematik in die Sinologie zu wechseln. Mit ihren fünf Fakultäten bietet die FAU hervorragende Strukturen für interdisziplinäre Forschung und Zusammenarbeit.

2. Was ist die Vision hinter Ihrer Forschung?
Mit meiner Forschung möchte ich zu einem besseren Verständnis der wissenschaftlichen Entwicklung Chinas beitragen. Im weiteren Sinne leistet sie einen Beitrag zur unabhängigen China-Kompetenz, einem fundierten Verständnis von Chinas Sprache, Kultur, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, kombiniert mit interkultureller Sensibilität und der Fähigkeit zur Risikoeinschätzung im Umgang mit dem Land.

3. Welche Bedeutung hat Ihre Forschung (zukünftig) für die weitere Entwicklung Erlangens als Innovationsstandort?
In meinem neuen Forschungsprojekt, das von der Europäischen Kommission mit 2.5 Millionen Euro gefördert wird, ist unter anderem ein öffentlich zugängliches „China Data Observatory“-Portal geplant, das chinesische Statistikdaten analysiert, kritisch hinterfragt und sichtbar machen soll. Dabei möchte ich weg von der pauschalen Aussage, chinesische Zahlen seien ohnehin alle manipuliert. Mich interessiert vielmehr, wie diese Zahlen entstehen und dadurch Anhaltspunkte liefern, wie man chinesische Zahlen besser interpretieren und einordnen kann.
 
4. Was macht Erlangen aus Ihrer Sicht zu einem Standort, an dem man gerne arbeitet und lebt?
Das internationale Umfeld, die Naturnähe, die vielen Fahrradwege in der Stadt.