FAU-Forschung made in Erlangen - Im Gespräch mit Prof. Dr. Giovanni Del Galdo

Meldung vom 11. März 2026 (08:28 Uhr)

Prof. Dr. Giovanni Del Galdo ist seit dem 1. November 2025 neu an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU): Er bekleidet die Professur für Informationstechnik und Elektronik und bringt seine langjährige Expertise in Mikroelektronik, Signalverarbeitung und Sensorik in Forschung und Lehre ein.

Parallel dazu gehört er zur Institutsleitung des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen, wo er Teil der Leitung für Schlüsselbereiche wie Kommunikationssysteme und Smart Sensing ist.

Prof. Dr. Del Galdo studierte Telecommunications Engineering am Politecnico di Milano und promovierte an der Technischen Universität Ilmenau – Stationen, die seine interdisziplinäre Forschungsarbeit maßgeblich geprägt haben.
 
1. Warum haben Sie sich für Erlangen bzw. die FAU als Forschungsstandort entschieden?
Erlangen und ich kennen uns schon lange: Nach meiner Promotion 2007 bekam ich die Chance, am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS zu arbeiten. Ich habe mich hier sofort wohlgefühlt – der Standort hat meine wissenschaftliche Entwicklung stark geprägt und war zugleich ein sehr guter Ort, um eine Familie zu gründen. 2012 führte mich meine akademische Reise auf eine Professur an die TU Ilmenau, dem Fraunhofer IIS blieb ich jedoch verbunden. Als sich später die Möglichkeit bot, als Institutsleiter zurückzukehren und gleichzeitig eine Professur an der FAU zu übernehmen, habe ich mich bewusst entschieden, diese Chance und die damit verbundene Herausforderung zu ergreifen. Die FAU gehört zu den führenden Universitäten in Deutschland und bietet hervorragende Infrastruktur sowie viele Möglichkeiten für interdisziplinäre Zusammenarbeit, zum Beispiel mit dem Universitätsklinikum Erlangen. Auch wenn die Natur – und ich hoffe, Sie verzeihen mir, wenn ich das sage - nicht ganz mit dem Thüringer Wald mithalten kann, bin ich doch sehr gerne wieder in Erlangen ;)
 
2. Welche Vision verfolgen Sie mit Ihrer Forschung?
Der rote Faden meiner Forschung ist die Schnittstelle zwischen der analogen und der digitalen Welt. Viele der spannendsten Innovationen entstehen genau dort. In meiner Rolle als Institutsleiter des Fraunhofer IIS ist es mir besonders wichtig, Brücken zwischen der Universität und der anwendungsorientierten Forschung zu bauen. Gemeinsam mit mehreren Lehrstühlen der FAU arbeiten wir an Themen, die von Mikroelektronik über KI-basierte Signalverarbeitung bis hin zur Datenerfassung und -übertragung reichen. Meine Vision ist es, diese Technologien so weiterzuentwickeln, dass sie konkrete Beiträge zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen liefern.
 
3. Welche Bedeutung hat Ihre Forschung (zukünftig) für die weitere Entwicklung Erlangens als Innovationsstandort?
Erlangen lebt vom engen Zusammenspiel einer starken Universität mit einem außergewöhnlich dichten Forschungs- und Industrieökosystem – geprägt durch eine bemerkenswerte Konzentration an Global Playern und hochspezialisierten Hidden Champions. Diese Nähe ermöglicht es, wissenschaftliche Erkenntnisse schnell in industrielle Anwendungen zu überführen. Hier sehe ich auch den Kern meines Beitrags: Unsere Forschung zu kognitiver Sensorik, Edge AI, Kommunikation und Mikroelektronik zielt darauf ab, neue Technologien frühzeitig in marktfähige Systeme zu überführen. In enger Zusammenarbeit mit Industriepartnern, etwa in gemeinsamen Projekten und Transferinitiativen, entstehen daraus Lösungen, die direkt in Produkte, Prozesse und Ausgründungen einfließen und so nachhaltige Impulse für Industrie und Standort setzen.
 
4. Was macht Erlangen aus Ihrer Sicht zu einem Standort, an dem man gerne arbeitet und lebt?
Erlangen bietet aus meiner Sicht eine sehr ausgewogene Mischung: Die Stadt ist weder zu klein noch zu groß – überschaubar, zugleich aber international geprägt und hervorragend angebunden. Forschungseinrichtungen wie die FAU und das Fraunhofer IIS sowie zahlreiche Industrieunternehmen und Start-ups schaffen ein dynamisches und inspirierendes Umfeld für Wissenschaft und Innovation. Gleichzeitig überzeugt die Region durch eine hohe Lebensqualität. Die Nähe zur Natur, etwa zur Fränkischen Schweiz, ist zwar nicht unmittelbar, aber dennoch in Reichweite und bildet einen angenehmen Kontrast zur ausgezeichneten Infrastruktur und den kulturellen Angeboten der Metropolregion Nürnberg. Gerade diese Verbindung aus wissenschaftlicher Exzellenz, wirtschaftlicher Stärke und hoher Lebensqualität macht Erlangen für mich zu einem Ort, an dem man nicht nur gerne arbeitet, sondern auch gerne lebt.